Oktober 2017

Vollbeschäftigung!

Müssen auch Kinder voll beschäftigt sein?

Ein Kind herauszufordern, ist gut für sein Selbstwertgefühl, wenn seine Fähigkeiten und seine Entwicklungsphase beachtet werden. Die Bandbreite der inadäquaten elterlichen Ansprüche ist groß: Die einen Eltern verlangen von ihrem Kind schon große Unterstützung im Alltag (Behördengänge erledigen, viel im Haushalt helfen u. v. m.), die anderen erwarten von ihrem Sprößling sowohl sehr gute schulische Leistungen als auch sinnvolle außerschulische Beschäftigungen. Darum geht es hier.

Im Wochenplan vieler Schüler*innen sind kaum Lücken zum „Nichtstun“ zu finden. Entweder kommt das Kind damit klar, weil es Freude und Leidenschaft bei den verschiedenen Aktivitäten erlebt und/oder weil es dadurch mit Freund*innen schöne Momente verbringen kann. Oder das Kind fühlt sich gestresst, weil es ihm doch zuviel ist und/oder weil die Eltern die Entscheidung über die Anzahl und die Art dieser Freizeit-Termine getroffen haben. Wenn Kinder und Jugendliche bei ihrer Freizeitgestaltung fremdbestimmt werden, kann bei ihnen ein Gefühl der Hilflosigkeit entstehen und das schadet ihrem Selbstwert und ihrer Selbstwirksamkeit. (Selbstwirksamkeit beschreibt die Erfahrung, mit dem eigenen Verhalten Schwierigkeiten bewältigen zu können und ist ein wichtiger Bestandteil des psychischen Wohlbefindens.)

Stress bei Kindern und Jugendlichen

Viele Studien zeigen ein ausgeprägtes Stressempfinden bei einem beachtlichen Anteil der Kinder und Jugendlichen. Wer gestresst ist, lernt nicht leicht. Es droht die Entstehung eines Teufelskreises: Die schulischen Leistungen sinken, das Kind bekommt den Eindruck, ein Versager zu sein, es hat Angst die Eltern zu enttäuschen, die Eltern erhöhen den Druck, das Familienklima leidet, das Kind fühlt sich noch mehr gestresst, es wird verhaltensauffällig oder freudlos, lernen macht kein Spaß, die Erfolge werden rar, der Kreis schließt sich. Besonders hochsensible Kinder können unter einem überfüllten Kalender sehr leiden und solch ein Teufelkreis kann früh entstehen und wird sehr intensiv erlebt.

Bevor es so weit kommt, sollten Eltern die Angemessenheit der Freizeitgestaltung ihres Kindes überprüfen. Hilfreich dabei sind folgende Fragen:

  • Haben wir die außerschulischen Aktivitäten mit unserem Kind abgesprochen?
  • Wer möchte diese Aktivität ausführen? Wir Eltern oder unsere Tochter/unser Sohn?
  • Haben wir klare Absprachen getroffen? Zum Beispiel, dass eine begonnene Aktivität für eine Mindestzeit verfolgt wird und dass sie aufgegeben werden darf, wenn sie keine Bereicherung ist.
  • Wie viel Freizeit hat unser Kind in seinem Wochenplan? Zeiten für Hausaufgaben und Lernen sollten dabei eingetragen werden und zählen nicht als Freiraum!
  • Was darf unser Kind in seiner Freizeit tun oder lassen?
  • Wie reagieren wir, wenn es sich langweilt? Beschäftigungsvorschläge sind überflüssig: Langeweile bietet einen Raum für Kreativität! Offen bleibt die Frage, ob es in unserem digitalisierten Leben noch Platz für Langeweile gibt...
  • Interessieren wir uns ehrlich für unser Kind und für das, was es erlebt? Unabhängig vom sozioökonomischen Status geben fast ein Drittel der 6-11 Jährigen und fast ein Fünftel der 12-16 Jährigen an, sich von ihren Eltern UNBEACHTET zu fühlen!
  • Was macht es mit uns, wenn unser Kind neben der Schule „nur zu Hause“ bleiben möchte? Was sind unsere Befürchtungen? Wie realistisch sind sie?
  • Last but not least: Wie viel Vertrauen schenken wir unserem Kind?

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