Umgang mit Kindern und Jugendlichen

Eltern sein

Mir gefällt dieser Spruch besonders, weil er so wahr ist: Eltern sein ist nicht jeden Tag einfach, manchmal möchte man das Handtuch werfen! Aufgeben und sehen, was passiert! Man nimmt sich etwas vor, erklärt, auffordert, verhandelt, das alles, damit das Kind oder die Kinder sich ideal entwickeln, gesund bleiben, in der Schule bestehen usw. Und dann gibt es Widerstand! Das eine Kind sagt "Ja, mache ich" und tut es nicht, das nächste streitet, diskutiert, ist "bockig", man kommt ja nicht voran! Das zerrt an den Nerven, der Schlaf wird schlecht, die Geduld schwindet immer mehr, kurz: Als Eltern fühlt man sich in Frage gestellt, nicht respektiert, hilflos. Und je mehr Druck man ausübt, je autoritärer man wird, desto schlimmer wird es. Schon drehen sich alle im Kreis!

Es gibt keine Patentlösung, um sich aus einem Teufelskreis zu befreien. Man kann Vieles und Unterschiedliches ausprobieren. Bis man das gefunden hat, was passt.

Eines ist richtig: Was wir zu bekämpfen versuchen, verstärken wir. Ein kleines Beispiel: Wer jeden Tag seinem Sohn sagt, er solle beim Essen nicht schmatzen, wird es häufig wiederholen müssen. Das Gehirn kann mit dem Wort "nicht" nichts anfangen und es entsteht das Bild von "Schmatzen". Und das täglich! Hilfreicher ist dann zu sagen, was man erwartet: "Iss mit geschlossenem Mund und sei leise!" Zugestanden, das ist ein kleines Beispiel, das man nicht leicht in andere Situationen übertragen kann.

Eine dauerhaft bedrückte Familienatmosphäre hängt oft von verschiedenen "vergifteten" Situationen ab. Irgendwann nimmt keine/r mehr die schönen Momente wahr: Wenn sie dann entstehen, überwiegt der Groll über das Unangenehme.

Wie kann man die Beziehung zu seinen Kindern wieder mit Spaß und Erfüllung gestalten?

Folgende Impulse

können erste Schritte in die erwünschte Richtung sein:

  • Wertschätzender Humor kann fast jede Situation entspannen, solange die Aussage nicht zynisch oder sarkastisch klingt.
  • Unerwartetes tun! Wenn jemand etwas ganz Ungewöhnliches tut oder sagt, reagieren die anderen auch anders: bei kleinen Kindern eine Aufforderung flüstern statt schreien... bei Jugendlichen eine kleine Liebesbotschaft ins Zimmer legen, z. B. "Dein Chaos geht mir ziemlich auf die Nerven, aber ich habe Dich ganz doll lieb!"
  • Beobachten: Was das Kind alles gut und richtig macht. Und das auch immer mal wieder rückmelden: Beschreiben, was man gesehen hat und sagen, dass man sich darüber freut - ohne Bewertung, ob das gut oder supergut ist.
  • Positiv-Liste erstellen: Was man an seinem Kind alles mag und schätzt.
  • Genau hinhören, was das Kind zu erzählen hat, auch wenn das Thema eine/n nicht wirklich interessiert. Es geht darum, sich mit dem Kind zu freuen oder vielleicht auch zu ärgern, also eine Emotion gemeinsam zu erleben. Das verbindet.
  • Sich darüber bewusst sein: Was für ein Glück es ist, dieses unverwechselbare Kind jetzt zu haben. Irgendwann lebt es nicht mehr zu Hause, sondern weit weg, irgendwo in dieser weiten Welt!
  • Zu sich selbst auch wohlwollend sein: einmal nicht konsequent gewesen? einen "Erziehungsfehler" gemacht? einmal nachgegeben? oder auch zu streng gewesen? Egal! Seien Sie fehlerfreundlich: wenn man es gemerkt hat, dann kann man es nächstes Mal besser machen. Und das Kind wird nicht daran zusammenbrechen oder verzogen sein. Es schätzt unbewusst, dass es Eltern hat, die menschlich und lebendig sind.

Ja, mit Kindern kommt es immer anders als wir denken. Das macht das Leben so spannend und gibt uns die Möglichkeit, an unseren Aufgaben zu wachsen. Wenn wir es zulassen! Wenn wir akzeptieren, dass Kinder unsere Meister sind: sie führen uns an unsere Grenzen und hinterfragen uns. Das ist eine Chance, durch die wir uns weiter entwickeln können.

Deswegen: Geben wir alles, nur nicht auf!

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