Juli 2017

Sind Pubertierende faule Murmeltiere?

Immer wieder stöhnen Eltern über das lange Ausschlafen ihres pubertierenden Kindes (am Wochenende oder natürlich auch in den Ferien).

Die Einen ärgern sich über das lange Warten auf das gemeinsame Frühstück, mit knurrendem Magen, oder über seine schlechte Laune, wenn alle zu Urlaubsaktivitäten früh losmarschieren müssen. Die Anderen hantieren schon um 9h absichtlich mit einem Staubsauger oder ähnlichem, weil sie befürchten, dass ihr Sprössling sich zu einem faulen Menschen entwickeln würde! Neurowissenschaftler*innen könnten nur den Kopf schütteln: Weil die hormonellen Umstellungen in der Pubertät sich auf einen Teil des Gehirns auswirken, wird der Tag-Nacht-Zyklus um bis zu zwei Stunden verschoben, eine schon 37 Jahre alte Erkenntnis! (Quelle: https://www.dasgehirn.info/grundlagen/pubertaet/baustelle-im-kopf, abgerufen im Juli 2017). Abends finden Jugendliche deshalb keinen Schlaf und morgens kommen sie nur schwer aus dem Bett. Alles vollkommen normal!

Um diesem Umstand gerecht zu werden, haben viele Schulen in z. B. Italien, Spanien, Großbritannien und Frankreich, aber auch einige (meistens private) Schulen in Deutschland, einen späteren Unterrichtsbeginn eingeführt (Spiegelartikel von 2015). Im Gegensatz zu Grundschulkindern können die meisten Jugendlichen sich früh am Morgen nicht gut konzentrieren. Wenn sie erst um 9h in der Schule antreten müssen, sind sie besser gelaunt und motivierter.

Aber zurück zu unserer Eule: Der junge Mensch beschwert sich meistens, dass er einfach nicht einschlafen kann. Es ist trotzdem sinnvoll genauer nachzufragen: Legt er sich um 23h ins Bett und grübelt vor Sorgen vor sich hin oder erst um 4h in der Früh, nachdem er Stunden vor seinem digitalen Bildschirm, egal welcher Art, verbracht hat? Im zweiten Fall ist die Sache klar: Die Beschäftigung mit digitalen Medien sollte in der Regel um eine bestimmte Uhrzeit aufhören (empfohlen wird ungefähr eine Stunde vor der Einschlafzeit), um den Tag-Nacht-Rhythmus nicht extrem zu verschieben. Das blaue Licht der Geräte oder die Inhalte auf dem Display, das ist noch nicht endgültig geklärt, können den Schlaf stören.

Auf der einen Seite sollten Eltern ihre Fürsorgepflicht ernst nehmen: Entweder besprechen sie mit ihrem Kind Strategien der Stressbewältigung bzw. der Problemlösung oder sie treffen Vereinbarungen über eine „gesunde“ Mediennutzung. Auf der anderen Seite sollten Erwachsene Verständnis für das Bedürfnis der Jugendlichen nach einem späten Schlafengehen haben und sie einfach ausschlafen lassen. Ein leichtes Frühstück in der Frühe, die Erledigung des Wochenend-Einkaufs, ein Spaziergang mit dem Hund oder was auch immer: Man kann vieles tun, bevor man ausgiebig mit seinem großen, meist dann gut gelaunten Kind brunchen kann. Und der Staub kann sowieso warten!

In diesem Sinne wünsche ich allen entspannte (Rest-)Ferien!

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