April 2017

Ob Strafe sein muss?

Viele Eltern wählen diesen Weg, um ihr Kind dazu zu bringen, mehr oder besser zu lernen. Das Argument liegt anscheinend auf der Hand: Um die Folgen der Bestrafung abzuwenden, zum Beispiel um wieder mit dem Computer spielen oder Freunde/-innen treffen zu dürfen, wird das Kind sich anstrengen. So einfach ist es leider nicht. Warum? Weil Kinder Kinder sind und nicht wie Erwachsene reagieren! Wenn Bestrafung immer wieder angewandt wird, kann ein Teufelskreis folgendermaßen entstehen:

1. Eine schlechte Note ruft unangenehme Gefühle beim Kind hervor: Enttäuschung, Scham, Wut ("der Lehrer war zu streng"), Angst (vor der Reaktion der Eltern), Selbstwertverlust ("ich kann es doch nicht") usw.

2. Die daraufhin verhängte Strafe löst noch mehr unangenehme Gefühle aus: Ärger, Wut, Hilflosigkeit, Gefühl der Ungerechtigkeit, Gefühl nicht verstanden zu werden etc.

3. Mit solchen Gefühlen lässt sich nicht gut lernen: Das Kind kann sich bei den Hausaufgaben nur schwer konzentrieren, ist u. U. verunsichert („lerne ich richtig?“ „gut genug?“), kurz: Die Lernqualität leidet.

4. Das Kind weiß es, wenn seine Vorbereitung auf die nächste Klassenarbeit (KA) mäßig ist. Es hofft, dass die KA trotzdem gut laufen wird, aber ein wenig Angst hat es schon. Manche Kinder erzählen, dass sie sich bereits in der Unterrichtsstunde davor nicht konzentrieren können und dem Unterricht nicht folgen...

5. Während der KA fällt es dem Kind schwer, sich zu konzentrieren, es wird unsicher und macht Fehler, im schlimmsten Fall bekommt es ein Blackout.

6. Zurück zu Punkt 1: Oft fällt die Note nicht so gut wie gewünscht aus. Wird dann weiter bestraft? Strenger noch vielleicht, um das Kind noch mehr zu motivieren? Der Kreis schließt sich!

Was können Eltern tun, um solch einen Teufelskreis zu verhindern?

  • Erst wird das Kind nach einer schlechten Note getröstet: Bestraft ist es ja schon, mit der schlechten Note eben!
  • Eltern sollten sich selbst hinterfragen: Muss es unbedingt eine Eins oder eine Zwei sein? Es gibt Eltern, die eine 3 als "schlecht" bewerten! Wen interessiert es 10 Jahre später, welche Noten das Kind in der 3., 6. oder sogar 8. Klasse bekam?
  • Wer sein Kind anspornen will, kann ihm eine Belohnung in Aussicht stellen. Diese muss allerdings zeitnah und angemessen sein: nicht etwa ein Superding erst an Weihnachten, sondern bspw. eine Kleinigkeit oder eine beliebte Unternehmung mit Eltern oder Freunden.
  • Am besten sollten die Anstrengungen des Kindes belohnt werden und nicht die Noten selbst. Wer mehrere Stunden für eine KA lernt, verdient Anerkennung.

Fazit

Schlechte Note bekommen? Dem Kind helfen Trost, Fehlersuche (was ist passiert?) und Ermutigung (wie und was soll nächstes Mal anders laufen?)! Also: Schwamm drüber und Kopf hoch!

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